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Winterfütterung für Rehwild, was ist zu beachten !?

Rehwild hat die geringste Widerstandskraft, Äsungsmängel auszugleichen. Äsungsökologisch ist Rot- und Damwild weit anpassungsfähiger als Rehwild. Heu, selbst bei bester Qualität, wird vom Rehwild kaum angenommen. Rehwild ist als Konzentratselektierer aufgrund körperlicher Besonderheiten nicht in der Lage, plötzliche Energieverluste im Winter durch schwer verdauliches Eiweiß auszugleichen. Die Feistvorräte müssen so reichhaltig sein, daß sie bis zum Frühjahr nicht völlig erschöpft sind. Erschwert wird die Nahrungssuche durch die ständig nachteiligen Änderungen des Lebensraumes, wie Zersiedelung der Landschaft, Zunahme des Kraftverkehrs und daraus resultierenden Licht- und Geräuschirritationen.

Grundlegende entwicklungsgeschichtliche Erkenntnisse der speziellen Stoffwechselphysiologie des Rehwildes sind vorallem den jahrzehntelangen Untersuchungen durch Prof. Dr. R. R. Hoffmann zu verdanken und lauten: Die zellulosereichen Pflanzen, wie Gräser und Korbblütler sind erst seit etwa zehn bis fünfzehn Millionen Jahren weit verbreitet. Das führte zwar zu einer stürmischen Entwicklungsgeschichte der grasfressenden Wiederkäuer, wie der Rinder oder dem Muffelwild, kam aber für das stammesgeschichtlich alte Reh zu spät. Beim Rehwile war der Verdauungstrakt auf die leicht verdaulichen Nährstoffe der schon früher vorhandenen, meist dykotyledoner Pflanzen, Nichtgräser, Kräuter, Knospen, Stauden, Laubblätter und Früchte ausgerichtet. Faserreiche Gräser, sogenanntes Raufutter, ist daher absolut unbrauchbar für Rehe. Im Unterschied zum Muffel, das in seinen Vormägen die zellulosereiche Grasnahrung einem effizienten, aber langsamen Fermentationsvorgang unterzieht, ist beim Rehwild eine rasche, nicht nur auf die Vormägen beschränkte, sondern teilweise auch im Dickdarm stattfindende Fermentation der Pflanzenzellwände vorzufinden. Dieser Unterschied in den Verdauungsvorgängen wirkt sich auch auf die Äsungsfrequenz aus. Das Rehwild benötigt zwölf bis fünfzehn Äsungszyklen pro Tag, während das Muffelwild mit durchschnittlich drei auskommt.    Ein weiterer Unterschied: Der Rehpansen hat seine größte Ausdehnung und somit die größte Fähigkeit, die Äsung optimal zu nutzen, im Herbst (nicht im Frühjahr, wo lediglich die höchste Äsungsaufnahme stattfindet um die im Winter verbrauchten Reserven wieder aufzufüllen). Im Hochwinter findet sich nicht nur das geringste Pansenvolumen, sonder darüber hinaus reduzieren die Pansenzotten Ihre Oberfläche auf etwa die Hälfte.

Paradoxerweise ist also die Möglichkeit des Rehwildes zellulosereiche Äsung zu verdauen, dann am geringsten, wenn die Pflanzen jahreszeitlich bedingt den höchsten Zelluloseanteil enthalten.  Daher gilt es dem Rehwild Nährstoffe in möglichst konzentrierter, aber pansengerechter Form zu bieten.  Hier steht die Kartoffel an erster Stelle. Der Apfeltrester mit reichem Vitamin-C-Gehalt und weiteren Vitaminen besitzt jedoch eine geringe Nährstoffmenge.

Schlußendlich ist auf die Positionierung der Futterstellen zu achten. Durch sogenannte Lenkfütterungen soll das Wild von befahrenen Straßen und anderen Beunruhigungen und Gefahren abgehalten werden.

(teilweise entnommen von Jens Krüger, Prof. Dr. R. Hofmann und Dr. R. Winkelmayer aus "Der Jäger")


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